|
Basil mach mit Nico (5) und Luana (12) Ferien ohne Mama
Vom 10. bis 17. Juli 2004 fand die erste Ferienwoche der "reka" für Väter statt, welche von Trennung oder Scheidung betroffen sind. Obwohl ich dieser Spezie nur beschränkt angehöre, weil ich mit meiner Frau unter einem Dach lebe, wurde mir eine Teilnahme mit den beiden Kindern zugesagt.
"Wildhaus" im "Toggenburg", trägt nicht nur den richtigen Namen, sondern bietet auch die passende Ferien-Anlage. Jedes der sechs "VaKi"-Ensemble wohnte in einer 2 oder 3-Zimmer-Wohnung in unterschiedlichen Gebäuden und bestritt den Haushalt, also auch die Küche, auf eigene Faust.
Der Begrüssungsakt mit einem ausgelegten Fallschirm, sollte uns Männer und vierzehn Kinder (zwischen 2 u 10 Jahren alt) weich landen lassen. "Born to be wild" das Motto. Jürg Born, der "reka"-Betreuer, regte zu Spielen mit und unter dem Segeltuch an, um uns ein Kennenlernen zu vereinfachen.
Die ersten zwei Tage bliess ein steifer Wind und das Outdoor-Programm stand im Regen. Nico(5), Luana(9) und ich (37) liessen es uns nicht nehmen, mit Regenausrüstung nach "Unterwasser" hinab zu wandern, um dort die legendären "Thur-Fälle" zu besichtigen. Die Flugbahn des Wassers gleicht derjenigen eines Skispringers. Ob der hier aufgewachsene Simon Ammann sich inspirieren liess, ist nicht wirklich bestätigt :-) Auf dem Rückweg wurde bei Privat "Bienli-Honig" feilgeboten und der süsse Saft im Glas fand den Weg zu uns: "Söll de Chind und ihne guet tue, macht zwölf Franke plus Depot" (sollen also nächstes Jahr wiederkommen!), "unverwexlbaar" der Dialekt.
Die Kinder fanden dann morgens im "Rekalino"-Programm Unterschlupf, während die Väter zu Männern mutierten und sich zur Besprechung unter der kundigen Leitung von Jürg Born in einer freien Ferienwohnung zusammen zogen. Dabei wurden Hoffnungen, Gefühle, Bedenken und dann Erfahrungen angesprochen und diskutiert. Jeder Vater und Mann kam zu Wort und jedes dieser drei zweistündigen Treffen hatte seine eigene Note, inhaltlich und gefühlsmässig.
Irgendwo muss ein "Scrabble" rumgelegen haben, denn schon bald hat sich ein Quartett heraus gebildet, welches täglich neue Konstrukte fabrizierte.
Unvergessliche Worte fanden den Weg auf das Karton-Quader: "OELLAND"
"HAFERLAUS" oder auch "TODESTRUHE" oder "SILOHEU", gegipfelt vom "SAULEDER" - gut gegrunzt so wie so - "GUUGE" wurde abgefeuert, bezw abgelehnt ;-)
Die Feriensiedlung besteht seit über dreissig Jahren und überzeugt durch perfekte Führung, seit Jahrzehnten vom selben Paar notabene. Der Lagerleiter trug am Einführungsabend ein legendäres rotes Hawaii-Hemd feil und sorgte mit "Poostbus" (für Postauto) gleich für eines der Codeworte der Woche!
Item. Die stets verbesserte Wetterlage liess in der zweiten Hälfte der Woche Ausflüge der ganzen Gemeinschaft zu. So besuchten wir alle zusammen das "Wildmannlis-Loch" und zwar per "megacoole" Seilbahn, mit einer Gondel einem Säulitrog ähnlich, bloss geschmacksneutral. Einer der Männer (Hallo Michael!) liess es sich nicht nehmen, aus einem Buch die Sage von dem kleinen Wilden vorzutragen, welcher hier seine Handschrift hinterlassen haben soll. Er wurde dafür durch leuchtende Augen und zehn offen stehende Münder belohnt. Besonders schön an einem der letzten Abende der Brätel-Plausch an einem Berg-Seeli an der Talseite der "Sieben Churfirsten". Wir entfachten die Feuer laufend geschickter und die Würste, Kartoffeln und Chäsplätzli fanden alle ihre Abnehmer....Innen! Den Töchtern sei an dieser Stelle sowieso ein Kränzchen gewunden, haben sie doch diese Woche mitgetragen. Beinahe hätt ich geschrieben "ERtragen", doch mit diesen handsome Kids hatte "Er" wirklich nicht schwer zu tragen und alle lebten wohl auf :-))
Die Mischung aus Freiraum und Programm liess der Erholung seinen Platz, genau so wie dem gesellschaftliche Moment wie am Bastelabend oder allgemein unter den Männern. Die prächtige Anlage liess die Kinder mit Spielen und Kämpfen bis in die Nacht hinein auf ihre Kosten kommen. Es gab bald schon Grüppchen und Adressaustausch-Momente, man(n) lernte sich kennen. Buecheggplatz oder Richtung Uetliberg oder in den Zoo? Oder Kindernachmittag bei jemandem zu Hause oder Malen im Atelier? Oder doch ins Hallenbad City? Aber sonst ist die Situation für Kinder in der Stadt recht prekär. Kein Wunder ziehen viele raus "auf's gelobte Land".
Aus meiner Sicht sind diese Väterferien vollauf gelungen und zur Wiederholung bezw Nachahmung zu empfehlen. Die "reka" rechnete im Vorfeld nicht mit Männern, die in der Kinderbetreuung derart erfahren sind und wir zeichneten uns mitverantwortlich zu einer erfreulich harmonischen Gemeinschaft.
Allen Kindern, Vätern und Betreuern sei hiermit herzlich gedankt und ich freue mich schon jetzt auf eine nächste Gelegenheit!
< zurück
|