Marcus, Sohn Tim (Jg. 2000), getrennt lebend, gemeinsam reisend
Wie teilt ihr die Kinderbetreuung auf?Ich arbeite 80%. Meistens ist Tim von Mittwoch bis Donnerstag Abend bei mir. Ausserdem wohnt Tim jedes 2te Wo-Ende vom Freitag Abend, bis ich ihn am Montag Morgen in die Krippe bringe, bei mir. Ab und zu unternehmen wir an einem Abend auch zu dritt etwas oder kommt es vor, dass Tim auch so mal noch ein Abend bei mir ist. Ihr habt auch nach der Trennung noch gemeinsame Reisen (u.a. 2 Monate nach Thailand) unternommen. Gab das keine Konflikte? Im Winter 2003 waren wir zu dritt 2 Monate in Thailand unterwegs. Rückblickend gab es insgesamt erstaunlich wenig Konflikte. Die ersten 1, 2 Wochen waren ein Bisschen angespannt, da wir uns erst wieder aneinander gewöhnen mussten 24h am Tag zusammen! Überhaupt, da wir beide keinen neuen Partner haben, sich daran gewöhnen so nah mit jemanden zusammen zu sein. Manchmal war es schwierig, zuzusehen wie Sarah gewisse Situationen mit Tim anging, wenn ich selber anderer Meinung war. Das waren manchmal banale Dinge. Schwierig war manchmal auch, mich bei einer Auseinandersetzung zwischen Sarah und Tim rauszuhalten, bzw. klar zu trennen, wenn es Sarah und Tim oder wenn es mich und Tim anging und nicht dem anderen dauernd reinzuschwatzen. Wir erlebten in diesen zwei Monaten intensiv, was andere zusammenlebende Paare mit Kindern jeden Tag zu meistern haben. Glücklicherweise haben Sarah und ich sehr ähnliche Ansichten und Einstellungen ich glaube sonst wäre die Reise viel anstrengender geworden. Die restliche Zeit verlief recht entspannt. Auch wechselten wir uns mit der Tim-Betreuung ganz natürlich ab, ohne irgendwelche Fixzeiten und Regeln einzuführen, so, dass jeder genug Zeit für sich alleine hatte. Eigentlich erstaunte mich, dass gerade dies so einfach ging, da doch das eines der Hauptprobleme zu Hause war nämlich Angst zu haben, dass man selber zu kurz kommt bzw. der Andere weniger machen muss. So gesehen war das Leben viel einfacher ohne den fixen Stundenplan eines Zürcher Alltages, ohne dem dicht gedrängten Wochenprogramm, das einem oft keine Luft für irgendwelche Spontaneitäten und Nulleistungszeiten lässt. Wenn so viel Zeit zur Verfügung steht und so wenig getan werden MUSS, schleicht sich bei vielen Reisenden die Langeweile ein. Dies passiert natürlich nicht, wenn ein Kind dabei ist. Das Kind bringt eigentlich die nötige Abwechslung und Anstrengung, die wir ja irgendwie doch brauchen, mit sich. Allerdings würde ich nicht unbedingt längere Zeit alleine mit einem Kind reisen denn das wäre mir dann doch zu anstrengend. Denn z. B. alleine Tag für Tag mit dem Kind am Strand sitzen…- da würde sich dann vielleicht die Anstrengung zusammen mit der Langeweile einschleichen :-) Dinge, die wir am Anfang als anstrengend empfanden oder uns verunsicherten und somit auch Konflikte auslösten, wurden mit der Zeit normal. Ein Beispiel ist die Essensbeschaffung für das Kind. Bis man weiss, was man dem Kind alles geben kann, bzw. was es alles isst, wo man was bekommt etc. braucht es am Anfang vielleicht ein paar Tropfen Schweiss. Nach einer Weile aber ist das kein Thema mehr. Bei Leuten mit wenig Reiseerfahrung dauern solche Dinge evt. länger und führen schneller zu Streit und Problemen. Sarah und ich sind beide schon viel gereist, auch schon mit Tim (4 Monate in Mittelamerika). Ich glaube, das ist auch einer der Hauptgründe, dass die Reise mit sehr wenigen Konflikten verlief. Vermehrt Konflikte gab es komischerweise nach der Reise. Wenn man 2 Monate so nah zusammen ist, schweisst das einen aufs Neue zusammen. Umso schwieriger, sich dann wieder voneinander zu lösen, sich wieder ein Bisschen vermissen und doch den eigenen Weg zu gehen. Kaum zu Hause kamen auch die schon erwähnten Probleme mit dem Alltagsleben, Zeitknappheit und somit der Angst, mehr als der andere machen zu müssen. So gesehen ist eine Reise auch immer eine kleine Flucht aus dem Alltagsdasein. Worauf muss man beim Reisen mit Kindern achten? Da fällt mir gar nicht so viel ein. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu unüberlegt oder sorglos. Wichtig ist, dass man sich selber durch die Art zu Reisen nicht überfordert - z. B. nicht unbedingt gleich die Sahara durchlaufen wollen, wenn man noch keine Reiseerfahrung hat. Denn mühsam werden die Kinder erst, wenn man selber gestresst und unsicher ist, oder Angst hat. Aber das wisst Ihr als Eltern bestimmt selber. Krankheitsgefahren des jeweiligen Landes abchecken versteht sich von selber, wobei meiner Ansicht nach keine allzu grossen Zwänge entstehen sollten. D. h., wenn ich auf zu vieles verzichten müsste aus Angst vor Krankheiten oder auch Kriminalität die Reise besser seinlassen. Man sollte sich aber im Klaren sein, dass wir Menschen sehr überlebensfähige Wesen sind und es auf diesem Planeten ganz wenige unzumutbare Orte gibt. Mit den meisten dieser Orte kommt man, wenn man einen gesunden Menschenverstand hat, kaum mal in Berührung. Und ja es gibt tatsächlich Flugzeugunfälle… Eine gute Portion Respekt vor dem Unbekannten ist angebracht, Angst hingegen ist oft unbegründet und hindert viele Eltern (und nicht nur Eltern) daran, tatsächlich die Koffer zu packen und Unvergessliches zu erleben. < zurück |