Matthias und Andreas stillen nicht, sind aber keineswegs still

Wir arbeiten beide Teilzeit bei der entwicklungspolitischen Organisation „Erklärung von Bern“ (vgl. www.evb.ch). Andreas ist 80% angestellt, Matthias konnte seit der Geburt von Lovis auf 60% reduzieren. Wir sind bei einem Team von gut einem Dutzend Mitarbeitenden die einzigen mit kleinen Kindern und die einzigen Väter. Vatersein schweisst zusammen. Man weiss, dass der andere einen versteht, wenn man punkto Arbeitszeit nicht unendlich flexibel ist. Sitzungs- oder andere Termine früh morgens wahrzunehmen kann eine echte Herausforderung sein, zumal die Kleinen in die Krippe oder zu ihren Grosseltern gebracht werden müssen. Delikat sind berufliche Termine aber vor allem an Tagen, an denen man eigentlich für die Kinder zuständig wäre. Matthias mit Lovis Zu den Lieblingsbeschäftigungen von Matthias und Lovis gehören Velofahren und Baden. Letzteres regelmässig in einer Gruppe mit anderen progressiven Vätern und ihren Töchtern bzw. Söhnen.
Einen Weg gibt es immer, aber etwas klagen über die Mehrfachbelastung und die eher mühevolle Vereinbarkeit von Erwerbs- und Haus- bzw. Familienarbeit wird man wohl noch dürfen. Dafür sind Väterseilschaften schliesslich da!
Teilzeitarbeitende Väter ernten zwar regelmässig stille, bisweilen auch explizite Anerkennung, wenn sie werktags im öffentlichen Raum mit ihren Wonneproppen unterwegs sind. So sind helfende Hände im Überfluss garantiert, wenn du dich als Vater anschickst, mit dem Kinderwagen ins Tram einzusteigen (Mütter müssen in der gleichen Situation notabene öfter mal Miteinsteigende eindringlich um Hilfe bitten). Am Arbeitsplatz ist dem Vater aber nicht im selbem Mass Verständnis für seine eingeschränkte Flexibilität gewiss. Da muss man als Väter zusammen stehen, und so kommt es, dass der eine öfter mal an die Bürotüre des anderen klopft. Nicht dass sich dies für den Arbeitgeber nicht auszahlte! Gespräche über Reproduktions- und Erziehungsfragen können auch mal fruchtbar sein für den Betrieb, wie das folgende Beispiel zeigt.
Im November 2004 ist eine EvB-Dokumentation „Aktenzeichen Babynahrung ungelöst“, für die wir verantwortlich zeichnen, erschienen. Das Thema hat in den Siebziger Jahren in der Schweiz und darüber hinaus für Furore gesorgt und zur Politisierung von vielen, mittlerweile gestandenen EvB-Mitglieder und -SympathisantInnen beigetragen. Damals wurde im Umfeld der EvB die Broschüre „Nestlé tötet Babys“ herausgegeben, wo die Problematik der aggressiven Vermarktung von künstlicher Babynahrung thematisiert und dabei dem Schweizer Multi gehörig auf die Füsse getreten wurde. Andreas mit Nick und Fiona
Am liebsten blödelt Andreas mit Fiona und Nick herum und macht sich über Nestlé lustig...
Dies gipfelte schliesslich im „Nestlé-Prozess“, bei dem die angeklagten Aktivisten den moralischen Sieg davon trugen. Nestlé durfte zwar fortan nicht mehr als Baby-Killer apostrophiert werden, seine Verantwortung für den Tod von Tausenden von Babys indes wurde quasi gerichtlich sanktioniert. Flaschenernährung ist in Einzelfällen angezeigt oder unumgänglich. Dies im grossen Stil zu propagieren, wie es bei Werbekampagnen von Nestlé und anderen Herstellern in Entwicklungsländern gemacht wurde, ist der Kindsgesundheit abträglich. Wo die Flaschennahrung wegen schlechten hygienischen Bedingungen mit unsauberem Wasser angerührt wurde, führte es in vielen Fällen gar zum Tod. Deshalb wurde die Devise „Breast is best“ geprägt, für die auch Väter von heute einstehen sollten. Dass das Problem der unlauteren Vermarktung von künstlicher Babynahrung heute noch nicht gelöst ist, davon berichtet die aktuelle EvB-Dokumentation. Eine kurze Beschreibung des Inhalts sowie ein Bestellformular findet sich auf: www.evb.ch/index.cfm?folder_id=394. Detailinformationen zum Thema künstliche Babynahrung findet sich überdies beim International Baby Food Action Network (vgl. www.ibfan.org), einer spezialisierten Organisation, auf deren Fachwissen wir uns beim Zustandekommen der Broschüre abgestützt haben.


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